Womit der HQ-Dauerbrenner Yukon abgelöst wird

aufmacher

Der ursprüngliche Yukon wurde von uns für die Ausgabe 5/2004 getestet. Das ist 12 Jahre her und zeigt, dass man Gutes nicht zwingend ständig verändern muss. Der Yukon war ein treuer Begleiter in zahllosen Drachentaschen, auf vielen, vielen Urlauben und er begleitete noch mehr Piloten auf dem Weg vom Anfänger zum Könner. Nun tritt der Yukon II an, um in die großen Fußstapfen seines Vorgängers zu treten.

Änderungen
Beim neuen Yukon hat sich im Vergleich zu seinem Vorgänger einiges geändert. Obwohl die Leitkantenlänge in etwa konstant blieb, besitzt der Neue eine etwas größere Spannweite, was auf eine stärkere Streckung und eine geringfügig kleinere Standhöhe zurückzuführen ist. Diese gestrecktere Form soll die Ausführung von Tricks erleichtern. Was man ebenfalls geändert hat, ist der Stabmix. Wo ehedem 4 Millimeter dünne Fiberglas-CFK-Hybridrohre in den Leitkanten ihren Dienst verrichteten, sitzen nun 5-Millimeter-Rohre aus Fiberglas. Die 5 Millimeter starken CFK-Spreizen des Ur-Yukon wurden durch genauso dicke Hybridrohre ersetzt. Das macht den Kite zweifelsohne robuster, sorgt aber auch dafür, dass er nun 34 Gramm mehr auf die Waage bringt, was einer Gewichtszunahme von satten 17 Prozent entspricht. Es liegt auf der Hand, dass dies Auswirkungen auf den Windbereich besitzt, in dem sich der Yukon II besonders wohlfühlt.

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Bei Starts, Landungen oder wie hier im Spike lässt sich der Yukon II prima kontrollieren

Konstanten
Doch nicht alles hat sich geändert, Bewährtes blieb konstant. So besitzt auch der Yukon II ein Segel aus robustem Ripstop-Polyester, das sinnvoll, aber keineswegs zu üppig verstärkt ist. Die Drachennase besteht nach wie vor aus Ballistic-Nylon und ist gewiss nahezu unzerstörbar. Bestens passende Verbinder, die sorgfältig gestoppt sind, ein gerollter Schleppkantensaum, in den für lautlosen Flug eine Spannschnur eingelegt ist sowie ein generell makellos gearbeitetes Segel komplettieren den cleanen, aufgeräumten und soliden Look des neuen Yukon. Ebenfalls geblieben sind die bewährte Dreipunkt-Waage, mit einem Entlastungsschenkel, der die Leitkante bei kräftigem Wind stützt, und das reichhaltige Zubehör. Ein schicker Winder mit einer für den Beginn sicherlich ausreichenden Blendline und einem Paar einfacher Handschlaufen sowie ein sehr umfangreicher Lenkdrachen-Ratgeber ermöglichen rasche Erfolgserlebnisse.

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Die Dreipunkt-Waage mit Entlastungsschenkel zur Leitkantenmitte überträgt die Steuerbefehle auf den Kite

Erwartungen
Was sollte man von einem guten, soliden Einsteigerdrachen erwarten? Heiße Tricks? Messerscharfe Präzision? Mördermäßigen Zug? Höllischen Speed? Nein! Mit keiner dieser Eigenschaften soll und muss ein guter Einsteigerdrachen aufwarten können. Er sollte stattdessen leicht zu starten und am Windfensterrand sicher abzusetzen sein und selbst derbe Abstürze möglichst klaglos hinnehmen. Seine Fluggeschwindigkeit sollte kontrolliert sein, doch darf er auf keinen Fall als träger Langweiler daherkommen. Besonders wichtig ist vor allem, dass der Kite maximale Flugstabilität aufweist, dass er nicht zu wild wirbelnd dreht und auch das chaotische Fuchteln von Ungeübten locker wegsteckt, ohne gleich die Strömung im Segel zu verlieren und abzustürzen. Zudem will der Einsteiger die unbändige Kraft des Windes an seinen Handschlaufen spüren, ohne dass er gleich über den Strand gezerrt wird und um sein Leben oder das seiner Kinder fürchten muss. Kurzum: Der ideale Einsteiger-Kite fliegt stabil und ohne Zicken. Wenn ein Einsteigerdrachen darüber hinaus noch erste Tricks – definierte Landungen, Stalls, Side Slides, Axels und sogar Fades – beherrscht, dann steht einer langen, glücklichen Beziehung zwischen Pilot und Kite nichts im Wege. Aber hoppla, ich sollte nicht träumen, sondern den Yukon II beschreiben! Doch ist es tatsächlich wahr: Der neue Yukon erfüllt all diese Aufgaben bravourös. Er ist ein toller Einsteigerdrachen, der sehr einfach zu fliegen ist, der vor allem in Loops und Spins bestens kontrollierbar seine Bahnen zieht. Selbst komplexere Moves wie Lazy Susan und Jacob’s Ladder gelangen uns während des Test reproduzierbar, doch ist es ein weiter Weg, bis ein Beginner zu diesen Trickmanövern vordringt.

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Bestens passende, sicher gestoppte Verbinder

Kritik?
Der Yukon II bringt deutlich mehr Gewicht auf die Waage als sein Vorgänger, was sich darin niederschlägt, dass er mehr Wind benötigt, um abzuheben. Doch ist das in meinen Augen kein Nachteil, denn die meisten Einsteiger gehen sowieso erst dann zum Drachenfliegen, wenn sich die Bäume biegen. Und dann hält der Yukon II durch seinen robusteren Materialmix noch mehr aus als sein Vorgänger, was ganz gewiss jede Menge Frust und Ärger erspart. Die mitgelieferte Blendline wird in den Augen der Cracks am Strand oder auf der Wiese keine Gnade finden, da sie sich wesentlich stärker dehnt als eine hochwertige Dyneema-Leine. Doch auch dies ist nur auf den ersten Blick ein Nachteil, denn gerade diese Dehnung sorgt dafür, dass der Kite wildes Fuchteln, überstarkes Zerren und generell zu starke Lenkimpulse bestens wegsteckt. Wenn man so weit ist, dass die Lenkbefehle sensibel dosiert werden müssen, damit komplizierte Moves gelingen, ist es an der Zeit für neue Leinen, aber vermutlich auch einen anderen Kite. Doch auch dann hat der Yukon möglicherweise noch lange nicht ausgedient, da dann noch Kids und neue Einsteiger mit ihm ihre ersten Erfolgserlebnisse haben können. Insofern: keine Kritik!