Wenn die Kites größer werden …

Das niederländische Projekt Kitepower basiert auf einer Forschungsgruppe zur Airborne Windenergie an der TU Delft, die der ehemalige Astronaut Wubbo Ockels 2004 gegründet hat. Ein wichtiger Meilenstein war 2012 die Konzeptdemonstration mit automatischer Steuerung des Kites inklusive Ausfahren und Einholen des Halteseils an einem 20-Kilowatt-Kitepower-System.

Das Unternehmen Kitepower wurde 2016 von Johannes Peschel und Roland Schmehl gegründet und wird durch das Förderprogramm Horizont 2020 der Europäischen Union für Forschung und Innovation finanziert. So konnte 2017 bereits ein 100-Kilowatt-System zeigen, dass die Technologie in der Lage ist, sich in größere Dimensionen zu entwickeln. Als wir neben den 25 und 40 Quadratmeter großen Kites nun einen weiteren mit 60 Quadratmetern zu sehen bekamen, entschlossen wir uns, über dieses spannende Projekt zu berichten.

Wahl des Kites
Deutlich zu sehen ist, dass Kitepower auf Segel mit aufblasbarer Struktur, also sogenannte Tubekites setzt, die beim Kite­surfen bereits sehr verbreitet sind. Mit zunehmender Größe erreichen die Kites enorme Streckungen und sind mit vielen aussteifenden Querschläuchen aufgebaut, den sogenannten Struts – beim neuen 60er sind es imposante 12 Stück. Der Grund, dass man sich für Tubes entschieden hat, sind die verhältnismäßig geringen Entwicklungs- und Baukosten bei hoher Depower-Wirk­ung. Ein Nachteil könnte allerdings die Haltbarkeit sein, die nach ersten Prognosen bei etwa 1.000 Betriebsstunden liegen soll.

Charakteristischstes Merkmal des Kitepower-Systems ist dessen fliegende Steuereinheit zwischen der einzelnen Halteleine und der Waage des Kites. Diese sogenannte Kite Control Unit übernimmt vom Boden aus ferngesteuert die Lenkung und das Anpowern des Kites. Der Generator für den Strom bleibt derweil auf der Erde. Beim Ausfahren des 25-Quadratmeter-Kites wird die Zugkraft bei etwa 3.200 Newton gehalten; mit 800 Newton wird die Schnur dann wieder einholt.

Effizienz
Laut Anbieter ist Kitepower der effizienteste Weg, regene­rative Energien für die Stromgewinnung zu nutzen. Die ganze Welt dient dabei als Motor für die Windkraft: Jeder Baum, der sich erwärmt, jeder schneebedeckte Gipfel und jeder Ozean, der die Sonne reflektiert, und selbst der heiße, vibrierende Wüstenstaub – sie alle verursachen Temperaturunterschiede, die Wind erzeugen. Airborne Windener­giesysteme reduziert diese Windenergieernte auf das Wesentliche: Fast jede Komponente trägt direkt zur Stromerzeugung bei und es wird wenig Material verwendet. Diese Einfachheit macht Kitepower außerdem fast unsichtbar und sehr kostengünstig. Im Februar 2018 wurde eine Schulung mit dem niederländischen Militär durchgeführt und so das System erstmals von Dritten betrieben. 2019 soll das Kitepower-System marktreif sein und dann im Dauerbetrieb eingesetzt werden.