Neue Lycos 2.0 von Spiderkites

aufmacher

Mit der Lycos-Serie hat Spiderkites bereits im Jahr 2009 für Aufsehen gesorgt. Im Testbericht schrieb KITE & friends damals: „Sie zeigt, dass Chefdesigner Christoph Fokken immer für neue Konzepte zur Belebung des Drachenhimmels gut ist.“ Und so ist die Begeisterung für die Speed-Lenkmatte bis heute ungebrochen. Beinahe unbeachtet blieb, dass die Lycos 2.0 bereits durch eine neue Version ersetzt wurde. KITE & friends ist neugierig geworden und stellt das neue Modell vor.

Insgesamt hat Spiderkites vier Größen der Lycos in 1,60, 2,00, 2,50 und 3,00 Metern Spannweite herausgebracht. Bisher ist aber nur die Lycos 2.0 in der Neuauflage erhältlich, wobei die Farbgebung in kräftigem Gelb mit schwarzer Einfassung der Flügelenden gleich geblieben ist. Diese schwarzen Bereiche sind es, die das neue Modell zusätzlich zum modifizierten Shape erkennbar machen, denn sie sind von der Vorderkante zur Endkante gewandert. Doch wo liegen die wahren Innovationen?

01
Die Unterschiede zur alten Lycos (links) sind im direkten Vergleich gut erkennbar

Das ist neu
Legt man die alte und die neue 2er-Lycos übereinander oder betrachtet sie sehr genau am Himmel, so erkennt man die Modifikationen an der Formgebung. Zum einen ist die Streckung leicht erhöht, sodass der Flügel etwa 15 Zentimeter breiter und dafür ein paar Zentimeter weniger tief ist. Die ­bisher auffällige Krümmung der Vorderkante ist deutlich reduziert und einer kastigeren Auslegung gewichen. Die 18 Zellen und die Geometrie sowie das Material der Waage aus ungemanteltem Dyneema sind indes geblieben.

Die Belüftung erfolgt beim neuen Modell über vier Öffnungen, die jeweils über zwei Kammern Luft ins Innere lassen, während es beim Vormodell nur drei waren. Auch bei den Profilen hat sich etwas getan, worauf wir in der Praxisbewertung näher eingehen werden.

Für die meisten Lycos-Interessenten sekundär, aber der Vollständigkeit halber zu erwähnen: Es gibt ein neues Bag, das auf einen Tragegurt verzichtet, dafür aber mit einer Vorderseite aus elastischem Mesh-Material und einem Reißverschluss punktet. So kann der Kite bequem verpackt werden und durch die Luftöffnungen mögliche Restfeuchte abgeben.

02
Feine Waage aus ungemanteltem Dyneema

Anleinen
Bei den Leinenempfehlungen wird auf dem Hänge­etikett der Matte mit 100 Dekanewton bei 30 Metern Länge auf Nummer sicher gegangen. Die Spiderkites-Website ist da mit 100 Dekanewton bei 25 bis 35 Metern Länge etwas mutiger. Richtig ist natürlich, dass die Empfehlung ganz der herrschenden Windgeschwindigkeit anzupassen ist. Die 100er-Strippen sind eine sichere Sache, wenn schwere Piloten den Kite auch in böigen Winden über 6 Beaufort fliegen wollen. Sind sie von guter Qualität, wie die hauseigene Voltage, dann sind die im unteren Windbereich entstehenden Performance-Nachteile für den Freizeitpiloten durchaus akzeptabel. Wer aus dem Kite die maximale Geschwindigkeit herauskitzeln will oder gar auf einen Speed-Contest geht, kann entsprechend auf dünnere Leinen bis unter 50 Dekanewton bei zwei Windstärken heruntergehen. Dann sollten die Schnüre in der Praxis aber auch das halten, was als Bruchlast angegeben ist.

Lange Geraden können mit 35 Metern perfekt zele­briert werden. Bei 25 Metern geht es mit Action pur zur Sache und rasante Rotationen erfordern Reaktionsfähigkeit und Feinmotorik bei den Lenkbefehlen.

03
Modernes Bag mit elastischem Mesh und Reißverschluss

Flugeigenschaften
Die Lycos 2.0 geht schon überraschend früh los, wobei der Flugspaß für den Normalflieger ab 3 Beaufort aufwärts deutlich steigt. An dieser Stelle darf die Zielgruppe gerne noch einmal neu definiert werden. Ein wenig Zweileinererfahrung reicht nicht, um eine Lycos adäquat ausführen zu können. Die feine Waage und die hohe Fluggeschwindigkeit fordern schon einen fachgerechten Umgang, damit der Kite nicht durch Pilotenfehler in den Boden einschlägt. Wer flinke Zweileiner beherrscht, bei dem verhält sich die Lycos zahm, was bereits beim – gegenüber vielen Speedkites mit Stabgerüst – problemlosen Start beginnt. Obwohl das Windfenster groß ist und mit viel Speed durchflogen wird, steht der Kite am Windfensterrand bemerkenswert stabil, solange man ihm keine allzu gesiebte Luft anbietet.

Zurück auf die Gerade, auf der die Lycos sauber und spurtreu läuft. Mit zunehmender Fluggeschwindigkeit ist auch Zugkraft verbunden, welche allerdings im Vergleich zur ersten Serie geringer ausfällt. Hier tragen die Änderungen Früchte und dabei ist gewiss das eingebaute Profil nicht unbeteiligt. Wer kurzerhand folgert, dass weniger Zug auch weniger Spaß bedeutet, der irrt. Vielmehr besagt die geringere Kraftentwicklung, dass man die Speed-Matte bei noch mehr Wind fliegen und aus dem Stand halten kann. Somit lässt sich wiederum noch mehr Fluggeschwindigkeit generieren – 200 Stundenkilometer: „Here we come“!

Doch nicht nur vor der Radarpistole sorgt der Kite für Euphorie. Kurven und enge Drehungen gehören zu den Adrenalin-treibenden Manövern, welche mit dem neuen Shape noch besser gelingen und aus denen die Lycos mit atemberaubender Dynamik herausschießt.

Resümee
Die Ur-Gene der Lycos wurden trotz Überarbeitung beibehalten. Ohne die Flugeigenschaften weniger gutmütig zu gestalten, setzt die neue Serie noch dezent eine Steigerung obendrauf und wird ihre Stellung als anerkannte Speed-Lenkmatte mehr als verteidigen können. Spannend wird, welche Größen als Nächstes mit der neuen Auslegung erscheinen werden. Die Lycos 2.5 mag da am ­wahrscheinlichsten sein.