Kampfkunst f√ľr den Himmel

Die ‚ÄěKampfk√ľnste‚Äú des Matthias Franke sollten inzwischen jedem ambitionierten Drachenflieger bekannt sein, der Kites von HQ fliegt. Beim Ninja wurden nun gute Handhabung mit richtig viel Power und Speed vermischt. √Ąhnlich dem Delta Hawk, nur besser?! Kann man sich bei einem so kleinen Kite mit auf dem ersten Blick einfachem Konzept kaum vorstellen. Und doch geht da was!

Das erste Foto von einem Ninja-Prototyp lie√ü mich aufgrund des einfachen Shapes einen soliden Allrounder vermuten, zumal der Fl√ľgel gerade mal 1,60 Meter Spannweite hat. Die Verwendung von 6-Millimeter-CFK-Gest√§nge sowie sein erstaunlich flaches Profil mit wirklich sehr steiler Waage machten mich neugierig. So neugierig, dass ich bei der Ankunft das Testmodells binnen Sekunden aufgebaut hatte: Untere Querspreizen, die zum Kreuz hin verst√§rkt sind, gem√§√ü den Aufklebern einsetzen, obere Querspreize rein, Stand-Offs aufstellen ‚Äď fertig! Ich finde sauber ausgeschnittene und vern√§hte Paneele vor und √ľberall dort Dacron-Verst√§rkungen, wo sie Sinn machen. Der Kielstab wird √ľber Klettband abgespannt und es gibt eine mehrfach mit Dacron verst√§rkte Nase aus Ballistiknylon. Das Gest√§nge wird von hauseigenen Verbindern solide festgehalten.

Kritischer Blick
Alles gut, doch was mir unangenehm auff√§llt, ist das zus√§tzliche Paneel auf der rechten Segelseite aus Carbonlook-Polyestertuch. Die Optik ist nat√ľrlich Geschmacksache, aber eine zus√§tzliche, einseitige Naht kann sich unangenehm auf die Profilierung im Tuch auswirken ‚Äď jedenfalls im High-End-Bereich, wo wir uns hier aber nicht befinden.

Sofort Leinenriss
Der erste Flug mit dem Ninja sollte gleich klarstellen, wohin die Reise geht. Wir hatten gute drei bis vier Windst√§rken S√ľdwestwind auf unserer Wiese. Kurz geschaut: 80-Dekanewton-Leinen sollten dicke reichen, steht ja so in der Anleitung. F√ľr den genannten Wind verwende ich erstmal nur die Grundeinstellung am mittleren Knoten der Waage-Knotenleiter. Der Ninja startet absolut problemlos und legt sofort mit sch√∂nem, linearem Speed vor. Dabei liefert er neben einer guten Grundpr√§zision einen satten Zug an den Leinen. Die Ecken kann man sogar sauber einrasten lassen und in den schnellen Spins legt er erstaunlich an Druck zu. Ein Zeichen daf√ľr, dass er eigentlich zu flach eingestellt ist. Okay: Mal sehen, was wirklich geht. Bei der Waage auf dem l√§ngsten Knoten ist der Start pl√∂tzlich richtig anspruchsvoll; ich muss mehrfach korrigieren, um den Ninja einzufangen, und dann bekomme ich ihn pl√∂tzlich auf Str√∂mung. Die wirklich extreme Power, die jetzt schlagartig anliegt, √ľberrascht mich so sehr, dass ich instinktiv in Kampfstellung gehe und eine tiefe Gerade fliegen will, um zu sehen, wie schnell der Fl√ľgel wird. Noch nicht ganz in der Windfenstermitte angekommen rei√üen pl√∂tzlich meine guten 35 Meter langen 80er-Wettkampfleinen und ich liege auf dem Allerwertesten. Wow! Was ist da eben passiert?!

Solide
Ein schneller Check am Kite bringt Klarheit: Durch die schlagartige Entlastung haben sich ein paar Clips am Kreuz und an den Verbindern gel√∂st. Mit etwas Sekundenkleber ist das Problem dank der Positionsmarkierungen am Gest√§nge schnell behoben. Die Verst√§rkungen haben einen guten Job gemacht und nichts ist eingerissen, gebrochen oder sonst irgendwie besch√§digt. Ich spanne gleich auch die Leitkanten und die Saumschnur ein wenig nach, da es die Leitkanten aus den nicht verklebten Kunststoffendkappen an der Nase gedr√ľckt hat. Das ist alles schnell gemacht. Es folgt Erleichterung und die Erkenntnis, dass der Bursche hier gewaltig Dampf hat!

Was geht da noch?
Angegeben ist der Ninja mit einem Windbereich von 12 bis 70 Stundenkilometern. Der n√§chste Flug findet bei gem√ľtlichen 10 bis 15 Stundenkilometern statt, und zwar an 25 Meter langen 40er-Leinen. Das funktioniert ohne Probleme und auf dem ersten Knoten fliegt sich der Ninja, als k√∂nnte er kein W√§sserchen tr√ľben. Angenehm bleibt er auf Str√∂mung, auch wenn der Wind mal etwas nachl√§sst. Man kann sogar den einen oder anderen Axel fliegen, selbst wenn der Kite wegen seines geringen Profils nicht wirklich daf√ľr gedacht ist; aber ein paar Spa√üeinlagen und Streiche sind immer erlaubt.

Ein paar Tage sp√§ter tobt auch bei uns Orkan Friederike und bei Windgeschwindigkeiten von 175 Stundenkilometern dr√ľckt es im Nachbardorf den Kirchenturm um. Zwar geh√∂rt Orkankiting zu meinen spannendsten Drachenflugerfahrungen, aber bei solchen Verh√§ltnissen verzichte selbst ich gerne und warte, bis es passende Windgeschwindigkeiten mit √ľber 60 Stundenkilometern in den B√∂en gibt. Die Warnung des Ninja vom letzten Mal, ihn sehr ernst zu nehmen, ist klar und deutlich angekommen, und mit gesplei√üten 140-Dekanewton-Leinen sowie Arschleder bewaffnet will ich herausfinden, was nun Sache ist.

Tag der Wahrheit
Mit den dicken Leinen und einem nun geh√∂rigen Respekt starte ich den Kite nicht in der Windfenstermitte, sondern etwa 30 Grad zum Windfensterrand versetzt, um ihn sauber seitlich hochf√ľhren zu k√∂nnen. Man muss dabei in der steilen Einstellung wirklich aufpassen, ihn nicht gleich beim Start zu verlieren. Einmal eingefangen bleibt der Ninja wie fest¬≠genagelt auf Str√∂mung. Er l√§sst sich dann auch gut am oberen Windfensterrand parken. Nun aber auf zum Tanz und den Ninja tiefgezogen: Sofort beschleunigt er rasant, aber nicht schlagartig, und fliegt mit heftigem Speed und Druck pr√§zise durch die tiefe Gerade. Dank meines K√∂rpergewichts rei√üt es mich nicht direkt davon, aber ein normalgewichtiger Pilot mit 80 Kilogramm w√ľrde hier sofort heftig an Boden verlieren. Also unbedingt gutes Schuhwerk anziehen und sich am ¬≠besten auf dem Hintern mit Rutschleder davonziehen lassen! Der √úbergang in die rasend schnellen Spins ist erstaunlich angenehm und der Druck bleibt dabei fast gleich. Die Spins kann man sogar bis um die Fl√ľgelspitze ziehen, muss aber unbedingt darauf achten, eine Seite nicht komplett zu ent¬≠lasten. Das macht richtig Spa√ü und man gew√∂hnt sich schnell an die gute Dosierbarkeit des Ninja. Nicht zu fassen, dass ¬≠dieser kleine Fl√ľgel so viel Power und auch Speed liefert! Im ¬≠direkten Vergleich ist er meiner Meinung nach dabei schneller unterwegs als der Delta Hawk und liefert noch mehr Power bei mehr Agilit√§t. Wie es um die Gespanntauglichkeit steht, m√ľsste man noch herausfinden. Ich gehe aber davon aus, dass es gut funktionieren wird, denn das Konzept ist schl√ľssig.

Heftige Kiste!
Auf keinen Fall sieht man diesem kleinen K√§mpfer seine F√§higkeiten an. Bei st√§rkerem Wind geh√∂rt er immer in erfahrene H√§nde. √úber seinen kompletten Windbereich liefert der Ninja √ľberzeugende Leistungen, und auch der Preis stimmt. Ein Meister der Tarnung!