Der Papillon als Alleskönner von Flaute bis Sturm

Kommt ein neuer Drachen auf den Markt, erhält er rasch die Aufmerksamkeit der Drachengemeinde. Insbesondere dann, wenn das Modell aus einer so renommierten Drachenschmiede wie Spiderkites stammt. Deren neuer Einleiner, der Papillon, macht hier keine Ausnahme. Doch halt, irgendwie kommt mir dieses Schmuckstück bekannt vor …?

Und wirklich, ich hatte das Baumuster schon einmal in der Hand – im Jahr 2006, um genau zu sein. Und irgendwie war es damals doch ein anderer Drachen. Wie das kommt? Nun, die Konstruktion des Papillon geht auf den französischen Drachenbauer Didier Ferment zurück. Dieser arbeitete seinerzeit mit HQ zusammen, die den Drachen in zwei Farbkombinationen auf den Markt brachten und ihn mit dem Vorzug bewarben, dass er sowohl als Vierleiner als auch als Kampfdrachen zu fliegen sei. Dann wurde es eine Weile ruhig um Didiers Konstruktion, bis nunmehr der ebenfalls in Deutschland ansässige Hersteller Spiderkites deren Wiederauferstehung feiert. ­Spiderkites-Inhaber Christoph Fokken war damals als Konstrukteur für die HQ-Kites zuständig, womit sich der Kreis schließt.
Doch inwieweit ist der Testdrachen identisch mit dem Modell, das ich bereits dreizehn Jahre zuvor in der Hand hatte? Sicherlich, das Farbdesign hat sich geändert und statt Ventex wird nun 40-Gramm-Ripstop verwendet. Die Bestabung bestehend aus 4-Millimeter-Kohlefaserrohr ist dagegen gleich geblieben. Der größte Unterschied zwischen den beiden Drachen erschließt sich einem jedoch erst auf den zweiten Blick: die Waage! HQ hat seinerzeit die Waage so abgeändert, dass der untere Schenkel fix am Stangenkreuz angebracht war. Spiderkites dagegen orientiert sich an den Original-Vorgaben aus Frankreich, montiert am Mittelkreuz einen O-Ring, durch den die Hauptwaage auf die untere Bowline geführt wird. Welche Auswirkung dieser Unterschied auf das Flugverhalten haben wird, zeigt sich in der Luft.

Leibesvisite
Doch zunächst wollen wir einen Blick auf den Aufbau des Papillon werfen. Spiderkites setzt immer wieder Maßstäbe in Sachen Drachenbau und so war die Messlatte schon vor Ankunft des Testexemplars recht hoch gehängt. Der Papillon, soviel sei vorab schon verraten, enttäuscht nicht. Angeboten wird der Drachen in einer Farbkombination, die sich aus verschiedenen Paneelen in Schwarz, Weiß und Rot zusammensetzt. Die einzelnen Paneele sind sehr sauber in Segelmachertechnik mit dreifachem Zickzackstich vernäht. Wichtige Stellen wurden zudem mit Dacron verstärkt; die Taschen der Spreizstäbe sind dem Gewicht zuliebe aus Spinnaker geformt. Dieses gelungene Paket wird durch einen stabilen Köcher und eine beigelegte, geflochtene 25-Dekanewton-Schnur abgerundet.

Aufgebaut ist der Papillon sehr schnell, was durchaus von einer Person zu handhaben ist. Einfach die beiden Längsstäbe über Kreuz zusammenführen und abschließend den Spreizstab an seinen Platz stecken – schon steht der Drachen aufgebaut vor einem. Spiderkites gibt als Windbereich 0,5 bis 2 Beaufort an, also von 1 bis 12 Stundenkilometern, ein klassischer Leichtwinddrachen also. Und wirklich, an der oberen Windgrenze fühlt sich der Drachen richtig wohl, steht sauber in der Luft und pendelt Böen bereitwillig aus. Bei weniger Wind muss die Waage ein wenig justiert werden, was ein reines Kinderspiel ist, denn die Schnuraufnahme sitzt mit einem Schiebeknoten auf der Hauptwaage. Der Papillon mutiert dann zu einem Gleiter, der auch in der Halle eingesetzt werden kann. Klar, Flug­zeiten wie ein reiner Gleiter weist dieser Drachen nicht auf und er verträgt auch ein wenig härtere Kommandos. Aber das braucht er auch gar nicht, denn der Drachen ist ja bewusst als Allrounder konzipiert. Eine Fähigkeit, die er überraschenderweise auch auf der anderen Seite der Windskala unter Beweis stellt. Das Fotoshooting fand unter verschärften Bedingungen statt – genauer gesagt bei über 30 Stundenkilometern und somit weitab von den Werten, die der Hersteller als zulässig ansieht. Aber auch hier macht der Papillon eine gute Figur und steht sauber in der Luft, wenngleich sich seine Flügel nun stärker nach hinten biegen. Dabei wurde der serienmäßige Schwanz überhaupt nicht benötigt – Respekt! Und noch etwas ist positiv aufgefallen: Da der Papillon vollsymmetrisch ausgeführt ist, kann er auch „auf dem Kopf“ geflogen werden. Einfach die Waageaufnahme auf die andere Seite schieben und einem Flug mit umgekehrtem Segel steht nichts mehr im Wege.