Die größte Speed5 von Flysurfer getestet

Es ist wieder soweit, ein Kitetrip nach Portugal steht vor der Tür, und laut Windstatistik ist in der Lagune von Óbidos eher mit Winden im einstelligen Knotenbereich zu rechnen. Gut, dass seit Kurzem die Speed5 in den großen Ausführungen auf dem Markt sind. Also gleich den 21-Quadratmeter-Speed5-Testkite eingepackt und gecheckt, ob der Slogan von Flysurfer – „Every day is a kite day“ – in die Tat umgesetzt werden kann.

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Die Kappe ist solide aus Deluxe+-Tuch gefertigt

Schon am ersten Tag weht in der Lagune nur ein laues Lüftchen. Genau der Moment, die 21er-Speed5 aus dem, wie immer gut verarbeiteten, Rucksack zu holen. Ein eingenähtes Stück ­Deluxe-Tuch in der Farbe des Kites hilft, die gewünschte Größe auf Anhieb zu finden. Da der Schirm auch ohne Bar erhältlich ist, müssen wir die bewährte Infinity 3.0 Airstyle Bar selbst anknüpfen. Empfohlen ist für die größeren Kites ab 15 Quadratmetern ein Steuerleinenabstand von 60 Zentimetern. Das Startklarmachen des Flug­geräts ist durch die gute Markierung der Leinen einfach. Die Ausführung der Kappe mit einem Aspect Ratio von 6,15 und 41 Zellen entspricht genau den anderen Größen der Kiterange. Die Kappe aus Deluxe+-Tuch ist sehr sauber verarbeitet und wurde von uns schon im Test der kleineren Größen in KITE&friends-Ausgabe 3/2016 beschrieben. Alle Kappen haben einen Farbcode, die 21er zeigt sich in einem hellen Cyan-Ton. Bei Sonnenlicht kann man somit das Innenleben der Speed5 mit seinen Kammern und stabilisierenden Bändern betrachten. Aber nur ansehen ist lang­weilig, es wird Zeit für die erste Session.

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Bereits bei wenig Wind kann man mit der 21er-Speed5 Spaß haben

In die Lüfte
Die Speed5 füllt sich über ihre nur fünf Ventile überraschend schnell. Selbst ohne den Kite vor­zufüllen baut sich der Druck sauber bis in die Flügel­enden auf. Das Profil bildet sich vor allem auch durch die dort eingearbeiteten Kunststoffstäbe, bei Flysurfer „Rigid Foil Technology“ genannt, zügig aus. Bei etwa 6 Knoten fliegt das Fluggerät sauber am Himmel. Die Kappe steht durch das verwendete steife Deluxe+-Tuch etwas stabiler als beim Vorgänger.

Die Speed5 dreht sauber und rund. Ihre Fluggeschwindigkeit ist für einen Foilkite dieser Größe wirklich sehr gut. Natürlich muss man aber etwas mehr vorausdenken als bei kleineren Größen. Die Bar- und Steuerkräfte liegen in einem angenehmen unteren Bereich, sodass längere Sessions entspannt zu bewältigen sind. Alles in allem hat die Speed5 ein sehr schönes Flugbild.

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Dank der Verlässlichkeit ging es sogar mit dem großen Kite in die Welle

Leistung auf dem Wasser
Für unsere Reise haben wir eine Door mit 163 × 46 Zentimetern und ein kleines Board mit 134 × 40 Zentimetern eingepackt. Bei etwa 6 bis 8 Knoten fällt die Entscheidung nicht schwer. In der Lagune ziehen wir bei absolut glattem Wasser die ersten Bahnen mit der Door. Nach kurzer Eingewöhnung ist der optimale Druckpunkt des Kites gefunden und erste Höhe wird gewonnen. Die Speed5 giert weit nach vorne an den Windfensterrand. Mit meinen etwa 80 Kilogramm Körpergewicht benötige ich ungefähr 6 bis 7 Knoten Grundwind mit kleineren Wind­spitzen, um Höhe zu laufen. Subjektiv empfunden läuft diese Größe etwas mehr Höhe als das Vorgängermodell.

Schon stehen die ersten lokalen Tubekiter verwundert mit dem Windmesser in der Hand am Ufer. Spätestens dann weiß man: Der Kite hat definitiv ­Leistung. Und zaubert man dann die ersten Sprünge aufs Wasser, blickt man in erstaunte Gesichter.

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Der Adjuster mit Stopperball

Hangtime, Hangtime, Hangtime
Neben der genannten Leistung hat die Speed5 noch eine herausragende Eigenschaft: Hangtime. Schon ab etwa 10 Knoten kann man längere Flüge abrufen. Der Sprungpunkt lässt sich mit etwas Übung einfach finden. Oft ist das bei sehr großen Kites gar nicht so einfach. Anfangs habe ich den Kite bei Rotationen oder bodennahen Tricks etwas überzogen. Dann erhält man beim Zurücklenken des Kites oft auffallend mehr Lift als erwartet. Es dauert aber nicht lange, um den optimalen Bewegungsablauf für einen kontrollierten Lift heraus­zufinden. Die Speed entwickelt einen sehr sauberen und linearen Zug nach oben, der sehr gut zu berechnen ist. Auf einem kleinen Priel vor unserem Apartment konnte ich schon richtig Spaß haben. Der Kite trägt lange, ohne großen Leeversatz. Die Sprunglänge lässt sich simpel über den sehr linear arbeitenden Adjuster regulieren.

Das Erlernen von Old-School-Tricks macht mit ­diesem Fluggerät richtig Spaß. Sprünge wie der Dead Man lassen sich freihändig und mit Hilfe des Stopperballs lange in der Luft genießen. Für einen flüssigen Style sollte man aber nicht vergessen, den riesigen Kite rechtzeitig wieder in die gewünschte Fahrtrichtung zu lenken.

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Ein großer Schirm, der sich aber mit Leichtigkeit nutzen lässt

Auch Unhooked-Manöver lassen sich sehr gut bewerkstelligen. Das Zuggerät zieht konstant, ­beinahe wie eine Wakeboard-Anlage. Die Umgebung von Óbidos ist bei Wellenreitern für ihre perfekt laufenden Atlantikwellen bekannt. Daher habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, mit der größten Speed5 in die Welle zu gehen. Das ist aber nur erfahrenen Ridern zu empfehlen, da hierfür eigentlich ein schnelleres und kleineres Fluggerät angesagt ist. Wichtig ist ausreichender Druck in der Tüte. Unter 10 Knoten sollte man das besser nicht probieren. Der konstante Zug und die sehr gute Stabilität lassen den vorrausschauenden Rider auch mit dieser Größe jede Menge Spaß haben.

Windbereich
Ein großes Board, glattes, strömungsfreies Wasser und konstanter Wind um die 7 bis 8 Knoten sollten es zum entspannten Höhelaufen schon sein. Ab etwa 10 Knoten beginnt der Hangtime-Spaß. Dank der sehr guten Depower-Leistung muss man erst ab 15 Knoten an den Wechsel auf eine kleinere Größe denken.