Das Yo-Yo – Teil 2

In der letzten Ausgabe Eurer KITE & friends haben wir das 2-Pop-Yo-Yo und das Yo-Yo aus dem Flic Flac vorgestellt. Heute wollen wir uns ein klein wenig mit Drachentuning beschäftigen, bevor wir uns das One-Pop-Yo-Yo und das Yo-Yo nach einer Lateral Roll oder einem Backspin vornehmen.

Hattet Ihr beim Trainieren des Yo-Yos immer wieder Probleme, weil Ihr die Yo-Yo-Stopper verfehlt habt? Macht nichts, das passiert jedem hin und wieder. Doch was kann man dagegen tun? Der vielleicht genialste Trickpilot der 90er- und frühen 2000er-Jahre, Andy Wardley, entwickelte für Bensons Deep Space in den Jahren 2005 und 2006 sogenannte Roll Bars. Diese sorgen am Kite dafür, dass man nicht nur die Yo-Yo-Stopper so gut wie nicht mehr verfehlen kann, sondern dass sich auch das Segel nicht zu stark verformt, wenn die Flugleinen die Schleppkante berühren. Damit die Roll Bars das Segel nicht überdehnen, wird eine Bogensehne gespannt, die den Druck von der Schleppkante nimmt. Ganz ehrlich: Eigentlich sind diese Dinger genial, aber da man als Material in der Regel spiralgewickeltes GFK verwendet, machen sie den Kite doch um einiges schwerer. Zudem sitzt das zusätzliche Gewicht der knapp einen halben Meter langen Roll Bars sehr weit außen am Drachen, was zwar Rotationen im Backspin oder 540er beschleunigt, aber auch etwas Präzision kostet. Dennoch: Wer wild auf multiple Yo-Yos ist und den Benson-Rekord des 18-maligen Einwickelns brechen möchte, der kommt um Roll Bars kaum herum.

Safety Stoppers
Ebenfalls genial, doch viel einfacher zu montieren und mit nur minimalen Gewichtsnachteilen behaftet sind Safety Stoppers, wie sie 2004 erstmals an Prisms Quantum Pro auftauchten. Hierzu benötigt man lediglich eine Lochzange, ein paar Kabelbinder und eine Schere. Dann locht man unterhalb des eigentlichen Yo-Yo-Stoppers im Abstand von 3 bis 4 Zentimetern die Leitkante, führt einen Kabelbinder durch das Loch und zieht ihn stramm, bevor man den langen Überstand schließlich wegschneidet. So sitzen Deine Flugleinen bei unsauberem Wickeln zwar nicht mehr am Sweet Spot, doch kannst Du auch dann weiterfliegen und kontrolliert auswickeln, wenn der Trick nicht perfekt verlief.

Leaders
Bei Yo-Yos kommen die Flugleinen mit der Dacron-Leitkante in Kontakt, was die hochwertigen Dyneema­fasern vor eine gewaltige Herausforderung stellt. Leinen, die ich lange in Gebrauch habe, sind ­deshalb an den Enden bereits etwas ausgefasert. Um dies zu vermeiden, bietet es sich an, entweder den Anknüpftampen auf 70 bis 80 Zentimeter zu verlängern oder Leaders zwischen die Waage und die Flugleinen zu knüpfen. Diese Leaders bestehen bei mir aus einer etwas schwereren Waageleine von etwa 100 Dekanewton Bruchlast und sind ungefähr 1,50 Meter lang. Auch wenn manche Piloten ­Leaders verabscheuen, mag ich sie, da sie auch beim Teamfliegen sehr sinnvoll sind. Denn dort haben schon häufig die Leitkanten des einen ­Drachens die Flugschnüre des nächsten gekappt.

Gewichtstuning
Wenn ein Kite widerwillig wickelt, bewirken ein paar Gramm Ballast am Kielende oftmals wahre Wunder. Viele moderne Drachen der High-End-Klasse oder aktuelle Freestyler sind bereits mit einem Kielgewicht ausgestattet; doch gerade Allrounder wie der Tomboy, den wir in dieser Ausgabe für Euch getestet haben, kommen „nackt“ und vertragen ein paar Gramm. Ich würde mich erst einmal langsam herantasten und nicht gleich mit 15 oder mehr Gramm einsteigen. 5 Gramm und dann eine sukzessive Steigerung, bis man das Optimum ermittelt hat, erscheinen mir sinnvoll. Zum Austesten, bis man das endgültige Setting gefunden hat, bieten sich Neodym-Magnete an, die man günstig bei Amazon oder Supermagnete.de kaufen kann.

Mehr Yo-Yos
Doch nun zu den nächsten Methoden, einen Kite ins Yo-Yo zu befördern. Glatt, zackig und durchaus überraschend ist es, wenn man seinen Drachen aus dem Fade heraus über eine Lateral Roll ins Yo-Yo knallt. Noch wilder erscheint es, wenn man anstelle der Lateral Roll den Kite zunächst im Backspin kreiseln lässt und ihn dann urplötzlich – schwupps und „hastenichgesehn“! – in ein Yo-Yo katapultiert. Cool und richtig lässig. Ich mag diese Kombination wahnsinnig gerne.

One-Pop-Yo-Yo
Warum das One-Pop-Yo-Yo so heißt, ist mir ein Rätsel. Eigentlich gibt es keine Methode, bei der man mehr wohldosierte Impulse setzen muss als beim One-Pop-Yo-Yo. Nach einem kurzen Push, bei dem der Kite die Nase zwar deutlich zurücknimmt, aber keinesfalls in den Backflip klappen darf, folgt sofort ein Pull, der dafür sorgt, dass sich der Drachen in den Frontflip legt, sodass seine Nase zum Piloten hin zeigt. Nun erfolgt sofort wieder ein kurzer Pull, auf den sofort mit viel Push Leinendurchhang gewährt wird, sodass der Kite wieder nach hinten klappt und ins Yo-Yo rollt. Klingt kompliziert? Ist auch nicht ganz einfach, doch wenn man das erste Mal gewickelt hat, ist es relativ leicht, noch zwei, drei weitere Yo-Yos folgen zu lassen, bis der Drachen mehrfach eingewickelt ist.

Auswickelei
Bereits beim letzten Mal haben wir den Kite mittels eines Pancake, einer Lazy Susan oder eines Pull-Push-Befehls ausgewickelt. Dieses Mal wollen wir noch weitergehen, den eingewickelten Drachen im Pancake landen und ihn dann beim Start auswickeln, bevor wir in einen Rising Fade übergehen. Und die Krönung der Auswickelei ist für mich ein 540er, den wir mit dem eingewickelten Drachen fliegen. Egal ob sich dieser dann nach Abschluss der Rotation auswickelt oder erst durch einen weiteren Zug – ein Wrapped 540 ist für mich einer der geilsten Moves überhaupt. Übrigens: Mit Roll Bars gelingt dieser Trick deutlich leichter.

Ausblick
Yo-Yos bieten, wie Ihr seht, viel Raum und unzählige Möglichkeiten für kreatives Spielen. Ich denke, dass wir jetzt nur noch laue Abende mit gleichmäßig-sanftem Wind brauchen, damit das Üben richtig Spaß macht.